Ideenwettbewerb „Den Toten einen Namen geben” | Maly Trostinec (Weißru.)

Ort

Maly Trostinec, Weißrussland

Wettbewerb

Anonymer Ideenwettbewerb, 3.Preis

Auslober

Verein IM-MER/Waltraud Barton: Initiative Malvine - Maly Trostinec erinnern

Fläche

ca. 10.000 m²

Planung (Jahr)

2013

Mitarbeit

Karola Gump
DI Olga Ulanovskaya

Jury

Dr. Friedrich Achleitner
(Architekturchronist, Schriftsteller)
Paul Chaim Eisenberg
(Oberrabbiner IKG Wien)
Martin Krenn
(Bildender Künstler)
Univ.Doz. Dr. Bertrand Perz
(Univ. Wien, Inst. f. Zeitgeschichte)
Lisl Ponger
(Bildende Künstlerin)
Dr. Susanne Scholl
(Journalistin, Russlandexpertin)
Dr. Danielle Spera
(Direktorin Jüdisches Museum Wien)

Link

Verein IM-MER

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    Wegenetz mit den begleitenden Stelen

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    Stelen mit den Namen der Toten

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    Plan

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In einem Wäldchen namens Blagowschtschina, nahe der weißrussischen Stadt Minsk, in der Ortschaft Maly Trostinec, wurden in den Jahren 1941 bis 1944 mehr als 13.000 Menschen von den Nationalsozialisten ermordet. Heute, rund 70 Jahre danach, erinnert an dieser Stelle nichts mehr daran. Wer hier ankommt, fährt eine lange, unbefestigte Straße entlang. Nach einigen hundert Metern gabelt sich der Weg und ein Kiefernwäldchen tut sich auf. An manchen Tagen mag es ruhig und beschaulich wirken, zwischen den Stämmen der Bäume fällt das Sonnenlicht hindurch, und am Boden wachsen Moos und Gräser. Gleichzeitig verunsichert jedoch die Stille. Beim Gedanken an die ungreifbare, unfassbare Zahl „13.500“ wandelt sich das unschuldig daliegende Waldstück in einen Ort des Schreckens.

Projektidee

Das Projekt möchte den Moment des Ankommens an diesem Ort festhalten. Für den Besucher soll der letzte Weg der einst hierher gebrachten Menschen nachgezeichnet werden. Das Waldstück, der Ort des Verbrechens, stellt die „Szenerie“ dar, der Wald (gepflanzt zur Vertuschung des Verbrechens) wird Teil des Projektes. Die 13.500, zwischen den Bäumen aufgestellten, Stelen erinnern an jede einzelne Persönlichkeit, die Namen und Personendaten sind in die Stelen eingefräst. Beim Ankommen entlang der Straße noch kaum wahrnehmbar, werden die Stelen aus der Nähe sichtbar und ihre Anzahl und Dichte zwischen den Baumstämmen deutlich. Im Waldstück führen kleine, schmale Kieswege zwischen den Baumstämmen in den Wald hinein und ermöglichen ein freies Durchqueren. Entlang dieser Wege sind die Stelen aufgestellt, so wird jede für sich zugänglich gemacht.


"Menschen aus unterschiedlichen Staaten und aus vielen Teilen Europas wurden in Maly Trostinec (bei Minsk in Belarus/ Weißrussland) von den Nationalsozialisten getötet. Aber für kaum einen anderen Staat ist Maly Trostinec so wichtig wie für Österreich. Denn an keinem anderen Ort sind so viele Österreicher und Österreicherinnen als Opfer der Shoa ermordet worden wie in Maly Trostinec. Maly Trostinec ist im Kontext des unverzichtbaren Erinnerns an die Shoa für Österreich der mit Abstand wichtigste Gedenkort. Dennoch erinnert in Maly Trostinec nichts an die weit rund 13.000 Österreicher und Österreicherinnen, die dort ermordet worden sind. Aus Österreich wurden 1941 bis 1944 insgesamt rund 49.000 Juden und Jüdinnen deportiert, davon rund 10.000 direkt nach Minsk beziehungsweise Maly Trostinec und noch einmal tausende, die zuerst von Wien nach Theresienstadt und dann von Theresienstadt aus nach Maly Trostinec überstellt worden waren. Nur etwa 2.000 der aus Wien deportierten Juden und Jüdinnen überlebten das Dritte Reich, die meisten in Theresienstadt. Die Chancen zu überleben, waren für diejenigen, die nach Minsk bzw. Maly Trostinec deportiert wurden, am geringsten. Die Anzahl der Überlebenden aus Österreich wird je nach Quelle mit 11, 13 oder 17 angegeben. Die heute zugeschütteten und mit Mischwald aufgeforsteten Gruben in der Blagowschtschina, wo die Deportierten sofort nach ihrer Ankunft erschossen worden (oder in Gaswägen erstickt worden) sind, sind ein riesiges Grab, auf dem die Grabsteine fehlen mit den Namen der dort ermordeten Österreicher und Österreicherinnen."
(Aus dem Auslobungstext)